Totenfrau – Bernhard Aichner

Bernhard Aichners erster Streich der Totenfrau-Trilogie. Wenn eine trauernde Ehefrau zur Rächerin wird…

„Gehst du mit mir zur Buchpräsentation von Totenrausch?“ Mein Name markiert in einer Facebookveranstaltung der Wagnerschen Buchhandlung Innsbruck. Was sonst hätte mir meine Freundin damit wohl sagen wollen. Bernhard Aichner war mir ein Begriff, das ein oder andere Buch steht in meinem Bücherregal, aber die Totenfrau-Trilogie… ein schwarzer Fleck in meiner persönlichen Literaturliste. Für Buchpräsentationen bin ich ja generell immer zu haben, also habe ich mir kurzer Hand die beiden ersten Teile besorgt und war wenig später gebannt, gefesselt, ein Fan. Ein bisschen verstört zwar aber begeistert.
Brünhilde Blum. Bestatterin. Liebende Mutter. Trauernde Ehefrau. Rächerin. Mörderin. Blum.
Bernhard Aichner hat mich abgeholt. Mit seinen Themen, mit seiner Geschichte vor allem aber mit seiner Art zu schreiben.

Die Welt der Totenfrau

Schon am Beginn der Geschichte merkt man. Brünhilde Blum, die einfach nur Blum genannt werden will, ist eine Protagonistin der anderen Art, eine Antiheldin sozusagen. Als Kind von ihren Adoptiveltern emotional misshandelt, zur Bestatterin gedrillt, beschließt sie, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Sich der Lasten zu entledigen. Von vorne anzufangen. Ironischer Weise mit einem Polizisten an ihrer Seite. Mark. Sie führt ein erfülltes Leben als liebende Ehefrau und fürsorgliche Mutter, bis sie das Schicksal einholt. Durch den Tod ihres Mannes kommt sie einem grausamen Verbrechen auf die Spur. Misshandlungen. Vergewaltigungen. Menschenverachtung. Blum beschließt sich zu rächen. Für ihren Mann. Für die Opfer.

Wenn die Mörderin zur Heldin wird

Blum ist eiskalt. Gnadenlos tötet sie ihre Opfer. Zerstückelt diese. Vergräbt und verbrennt sie. Sie ist grausam. Und dennoch stellt man ihr Handeln kaum in Frage, stellt sie nicht auf eine Stufe mit ihren Opfern. Man sympathisiert mit ihr. Mit der Mutter zweier reizender Kinder, die geliebt hat, ein perfektes Leben führte, ein normales Leben, ein geregeltes Leben, bis ihr der Mann genommen wurde.
Ein Phänomen, das ich in dieser Manier bislang nur von der Serie Dexter kannte. Ein Mörder wird zum Helden, weil die Opfer noch viel schlimmer waren. Weil das Töten einem tieferen Sinn folgt, weil die wirklichen Übeltäter sonst unter dem Gesetz hindurchrutschen würden. Verbrecher, um die sich nie jemand gekümmert hätte, weil deren Opfer namenlos waren, illegale Aushilfsarbeiter.
Bernhard Aichner schafft es, dass man Verbrechen zu differenzieren beginnt. Und Argumente sucht, warum das eine besser wie das andere ist.

Halte ich das aus?

Ich gestehe, Krimis und Thriller sind eigentlich nicht mein bevorzugtes Genre. Und auch bei Totenfrau war ich kurz davor, das Buch zur Seite zu legen. Die Beschreibungen der Vergewaltigungen, die Grausamkeit der Tyrannen, die Verzweiflung der Opfer – all das ging mir ganz schön an die Nieren. Und doch treibt Bernhard Aichner einen an, weiter zu lesen, nicht aufzuhören. Sein Stil, seine Sprache ist wie eine Welle, die einen einfach mitreißt. Er nennt es filmisch. Ich hatte jedoch das Gefühl einen literarischen Marathon zu laufen: Immer weiter. Nicht anhalten. Nicht zurückschauen. Durchhalten, auch wenn es weh tut. Bis ins Ziel. Wo man dann erschöpft aber glücklich auf die Knie sinkt.
Und dann ist da noch dieser eine Satz. Ein Satz der einen hoffen lässt, der motiviert, nicht nur den Leser, sondern auch Blum. Der Satz der alles prägt: Alles wird gut!

Alles ist gut!

Schön grausam, grausam schön! Wer es aushält, hat gewonnen. Bernhard Aichner kreiert mit Totenfrau ein Leseerlebnis, vollgepackt mit Spannung, Emotionen und Momenten, die zum Hoffen einladen. Ein Buch, das zum Nachdenken anregt. Was ist gut? Was ist Böse? Gibt es auch ein gutes Böse?
Auf Band 2 Totenhaus und Band 3 Totenrausch darf man also weiter gespannt sein!

Zum Buch

Titel: Tontenfrau
Autor: Bernhard Aichner
Verlag: btb Verlag, 2014
ISBN: 9783442749263

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