Känguru-Trilogie
Literatur

Rezension || Die Känguru-Trilogie von Marc-Uwe Kling

Chroniken, Manifeste und Offenbarungen


Wie würdet ihr reagieren, wenn plötzlich ein Känguru vor eurer Türe steht, sich als neuer Nachbar vorstellt und nach Eiern fragt. Wahrscheinlich genauso irritiert wie der Ich-Erzähler Marc-Uwe Kling in der Känguru-Trilogie – zumindest am Anfang. Denn zwischen den beiden entwickelt sich eine völlig absurde Beziehung, die weit über eine herkömmliche Freundschaft hinausgeht. Aber wie sollte es auch anders sein, wenn ein kommunistisches, arbeitsverweigerndes und anarchisches Känguru mit einem leichten Hang zur Gewalt auf einen kritischen aber selbstironischen Kleinkünstler trifft.
Ich habe selten so gelacht.

Chroniken, Manifeste und Offenbarungen

Wie würdet ihr reagieren, wenn plötzlich ein Känguru vor eurer Türe steht, sich als neuer Nachbar vorstellt und nach Eiern fragt. Wahrscheinlich genauso irritiert wie der Ich-Erzähler Marc-Uwe Kling in der Känguru-Trilogie – zumindest am Anfang. Denn zwischen den beiden entwickelt sich eine völlig absurde Beziehung, die weit über eine herkömmliche Freundschaft hinausgeht. Aber wie sollte es auch anders sein, wenn ein kommunistisches, arbeitsverweigerndes und anarchisches Känguru mit einem leichten Hang zur Gewalt auf einen kritischen aber selbstironischen Kleinkünstler trifft.
Ich habe selten so gelacht.

Eine Chronik, ein Manifest, ein asoziales Netzwerk

Gar nicht so einfach diese herrlich spritzige, geistreiche, satirische und gleichzeitig tiefgründige Erzählung zusammenzufassen. In vielen einzelnen Geschichten oder Episoden, die doch irgendwie zusammenhängen und eine gewisse Chronologie aufweisen, erzählt Marc-Uwe Kling in der Känguru-Trilogie (Die Känguru-Chroniken, Das Känguru-Manifest und Die Känguru-Offenbarung) von einem gleichnamigen Kleinkünstler und einem Känguru, das erst nebenan und später mit dem Ich-Erzähler zusammen in einer Art Wohngemeinschaft lebt. Dabei hält ihn das Känguru ganz schön auf Trab. Ein normaler Alltag? Fehlanzeige. Diskussionen, philosophische Ausschweifungen und kritische Gedanken stehen an der Tagesordnung und wenn es mit der intellektuellen Überlegenheit nicht so klappt, wird auch schon mal Gewalt angewendet, um die Argumentation schlagkräftig zu unterstreichen. Die Frage aller Fragen dabei: Wer ist besser – Bud Spencer oder Terence Hill?

Marc-Uwe Kling fungiert dabei als Chronist und hält das Leben des Kängurus schriftlich fest. Eine etwaige Handlung, parallel zu den Alltagsgeschichten, die das Leben eben so schreibt, nimmt spätestens dann Fahrt auf, als ein kapitalistischer Pinguin gegenüber einzieht. Es wird die Vermutung aufgestellt, dass dieser der Antagonist des Kängurus sein könnte und einen „kapitalistischen Weltverschlechterungsplan“ durchführen wolle. Die beiden, aber vor allem das Känguru, versuchen dem nachzugehen und decken eine unglaubliche Geschichte auf. Nebenbei wird noch das Asoziale Netzwerk gegründet, mit dem fortan Anti-Terror-Anschläge gegen „das System“ verübt werden, und auch bei der Aufklärung des Falls „Pinguin“ helfen soll. Klingt ein bisschen absurd, ist es auch, aber dennoch brillant und unterhaltsam. Man muss es wohl einfach selbst gelesen haben.


Zwischen Kapitalismus und Kommunismus, zwischen Ordnung und Anarchie, zwischen künstlerischem Genie und gesellschaftspolitischer Kritik

An Themen mangelt es der Känguru-Trilogie jedenfalls nicht. Von politischen Botschaften, filmischen und literarischen Anspielungen bis hin zu alltäglichen Problemen und zwischenmenschlichen Beziehungen ist alles dabei. Wenn man dabei nur eines lernt, dann dass man sich niemals mit dem Känguru anlegen und es auf keinen Fall anrufen sollte – denn das wird teuer. Darüber hinaus glänz Marc-Uwe Kling mit Sprachgewandtheit und Wortwitz. Zeitformen werden zu Stilmitteln stilisiert, Worte verändern ihre Bedeutung und Lebensweisheiten stehen an der Tagesordnung. Denn wie sagt Herta so schön: „Es jibt sone und solche, un’ dann jibt’s noch janz andre, aber det sind die Schlimmsten“.

Ich weiß, das klingt alles ein bisschen wirr, muss es aber in gewisser Weise, weil es doch auch auf die Absurdität des Lebens, unserer Gesellschaft und des Systems anspielt – und schlussendlich macht es auf eine verquere Art doch irgendwie Sinn.


Epilog

Zum Abschluss möchte ich euch noch kurz erzählen, wie ich überhaupt zu Die Känguru Chroniken gekommen bin und warum ich gleichzeitig dem Ullstein Verlag ein großes Lob aussprechen möchte (nein, das ist keine Werbung). Denn als ich auf der Buch Wien am Stand des Verlags vorbeispaziert bin, fiel mir eigentlich ein ganz anderes Buch auf. Es stand da nämlich der gleiche Titel in zwei farblich unterschiedlichen Ausführungen: QualityLand von Marc-Uwe Kling. Der freundliche Standbetreuer erklärte mir, was es damit auf sich hat (das würde jetzt den Rahmen sprengen – eine Rezension dazu ist in Planung). Ich war begeistert (meiner Meinung nach ein marketingtechnischer Geniestreich) und hätte das Buch vom Fleck weg gekauft. Dann hat er mich allerdings gefragt, ob ich schon Die Känguru-Chroniken gelesen habe und mir bei meiner Verneinung geraten, erst die zu lesen und mich dann erst an QualityLand heranzuwagen. Egal ob dieser Mitarbeiter des Ullstein Verlags einfach sehr aufmerksam und mitdenkend war, oder eben nur wirklich gut verkaufen kann – immerhin hat er mir so gleich mehrere Bücher schmackhaft gemacht – ich finde diese Art der Beratung einfach großartig und möchte mich an dieser Stelle herzlich dafür bedanken. Ebenso wie lieben Freunden, die mir die Trilogie wenig später zum Geburtstag schenkten. 🙂


Marc-Uwe Kling…
ist ein deutscher Autor, Kabarettist, Musiker und Kleinkünstler, wie er sich selbst auch in der Känguru-Trilogie bezeichnet. Bevor die Chroniken in Buch-Form erschienen sind, wurden sie wöchentlich im Podcast Neues vom Känguru beim Berliner Radio Fritz gesendet. Am 5. März 2020 sollen die Känguru-Chroniken übrigens im Kino anlaufen.

Zu den Büchern
Titel: Die Känguru-Trilogie (Die Känguru-Chroniken, 2009; Das Känguru-Manifest, 2011; Die Känguru-Offenbarung, 2014;)
Autor: Marc-Uwe Kling
Verlag: Ullstein
Seiten: 257/296/294
ISBN: 978-3-548-37623-3

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