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Brisbane, Sydney, Canberra, Melbourne

Die 3 ½ Großstädte der australischen Ostküste

Entdeckungslegenden, Goldrausch, Strafkolonien, Unterdrückung und Freiheitskämpfe sowie Machtkämpfe mit kleinen Gewinnern und großen Verlieren – die Geschichte der Großstädte an der Ostküste Australiens liest sich wie ein Abenteuerroman. Die Protagonisten: Brisbane, Sydney, Melbourne und Canberra – die 3 ½ Großstädte der australischen Ostküste. Keine ist wie die andere, jede hat etwas zu erzählen.


Brisbane – Von der Strafkolonie zur Studentenstadt

Brisbane war für mich wohl die größte Überraschung. Eine Großstadt mit Kleinstadtcharakter, die sich sicher nicht (mehr) im Schatten ihrer „großen Schwestern“ verstecken muss. Ursprünglich war Brisbane Standort für eine Strafkolonie. Heute ist sie die Hauptstadt des australischen Bundesstaates Queensland und mit über zwei Millionen Einwohner die drittgrößte Stadt Australiens, hinter Sydney und Melbourne.

Vor allem die zahlreichen Studierenden machen die Stadt jung, frisch und lebendig. Der Campus der Queensland University of Technology ist einer der schönsten, die ich je gesehen habe – Wohlfühlfaktor inklusive. Gleichzeitig modern und Idyllisch, der Botanische Garten grenzt unmittelbar an das Areal an, hätte ich mich hier stundenlang aufhalten können.
Überhaupt ist die Stadt überraschend grün. Auch die Promenade, die bei Southbank den Fluss entlang führt, ist liebevoll mit Park- und Wasseranlagen ausgestattet. Sogar ein kleiner Regenwald wurde angelegt. Hier ist verweilen angesagt und auch verhungern wird man dabei nicht. Das verhindern die zahlreichen Imbissstände, die von Burger bis Tacos alles anbieten, was der Fast Food-Sektor so hergibt. Von der Promenade aus hat man übrigens einen tollen Ausblick auf die Stadt. Mit einem Hot Dog in der Hand die Skyline genießen – es gibt Schlimmeres.

Brisbane
Brisbane: Historische Gebäude zwischen modernen Bauwerken

Um ein bisschen einen tieferen Eindruck von der Stadt und ihrer Geschichte zu bekommen, haben wir uns einer Free Walking Tour angeschlossen, die ich sehr empfehlen kann. Eine ältere Dame hat unsere Gruppe ganze drei Stunden lang durch Brisbane geführt und einiges über die Entstehung, verrückte Gründungsväter und den Aufschwung der Stadt in den letzten Jahren erzählt. Es wird viel Gebaut und mit kleinen Highlights, zu denen auch Southbank zählt, versucht, die Stadt zu verschönern. Hoffentlich nicht zu Lasten der historischen Gebäude aus rotem Backstein. Die sind immerhin um die 150 Jahre alt. Es klingt für Europäer wahrscheinlich einfach nur süß, wenn die Australier über ihre Bauwerke sehr stolz sagen, dass sie „really old“ sind, aber dort ist das einfach“sehr alt“.

Brisbane hat jedenfalls einiges zu bieten – historisch, architektonisch, kulturell und auch in punkto Lifestyle. Eine Engländerin, die wie kennengelernt haben, nannte es „little London“, was die Stadt eigentlich ziemlich gut beschreibt.


Sydney – Das schlagende Herz Australiens

Wenn es nach den Sydneysiders, ja so nennt man die Einwohner der Stadt, geht, ist Sydney die Hauptstadt Australiens. Und so präsentieren sie sich und ihre Stadt auch: jung, dynamisch, majestätisch und den anderen Städten – vor allem Melbourne – überlegen. Ein bisschen verstehen, kann ich das schon, denn langweilig wird einem in der größten Stadt des Kontinents bestimmt nicht.

Natürlich gibt es da zum einen die großen Sehenswürdigkeiten und Must-Sees, wie das weltberühmte Sydney Opera House, das zugegeben schon beeindruckend ist, wie es da im Wasser, wie eine kleine Halbinsel thront. Kunst spielt sich dabei nicht nur im inneren ab. Als wir dort waren, haben sie auf eines der Dächer die Lightshow „Badu Gili“ projiziert, die die First Nation Story und die First Nation Art zeigte. Ein wirklich imposantes Kunstprojekt, das ich mir problemlos auch ein zweites Mal anschauen würde.
Gleich hinter der Oper befindet sich die kaum weniger bekannte Harbour Bridge. Wenn man übrigens beide zusammen auf einen Foto haben möchte, sucht man am besten den botanischen Garten (und den Mrs. Macquaries Point) auf. Von dort aus habt ihr eine tolle Aussicht und vor allem bei Nacht kann man eine wirklich spektakuläre Stimmung einfangen.

Sydney kann aber nicht nur aufregende Großstadt sondern auch Natur, Strand und Surferparadies. Allen voran Bondi Bay. Eine coole Bucht mit tollem Wellengang – seither steht „Surfen lernen“ recht weit oben auf meiner To Do List. Damals sind wir statt zu surfen aber vielmehr gewandert. Denn von Bondi Bay aus führt der Costal Walk die Küste entlang vorbei an Klippen, weiteren Buchten und durch einen Friedhof hindurch, den sonnigsten, den ich je gesehen habe, nach Coogee Beach. Ca. 6 Kilometer ist der gemütliche Weg lang. Mit Fotos machen und Aussicht genießen kann man im Schlender-Tempo ca. 2 Stunden einplanen.
Allen die gern surfen oder flanieren kann ich auch die Ferry Tour nach Manly empfehlen.

Sydney
Sydney – Bondi Bay

Wie eigentlich in allen Städten kann ich euch auch hier die Free Walking Tour sehr ans Herz legen, man muss nur die vielen Scherze über Melbourne aushalten. Dabei haben wir u. a. auch von den versteckten Bars erfahren, die es wohl in ganz Sydney gibt. Leider haben wir es in keine geschafft, weil der föhnartige Wind bei mir eine heftige Migräne-Attacke ausgelöst hatte und wir unseren Städtetrip damit abbrechen mussten – eine kleine Schattenseite von Sydney, die meine Begeisterung aber nur mäßig eindämpft.

Alles in allem ist Sydney eine aufregende Stadt, aber auch ein bisschen rastlos. Es ist jede Menge los, die Stadt und die Menschen sind ständig in Bewegung. Allerdings lädt sie so eher nicht zum Verweilen ein, um zum Beispiel gemütlich eine Kaffee zu trinken. Daraus wird meistens ein Coffee to go, mit dem schon zum nächsten Ereignis eilt, um ja nichts zu verpassen.


Canberra – Die oft vergessene Hauptstadt

Wer hat sich schon einmal dabei ertappt, dass man bei der australischen Hauptstadt an Sydney oder Melbourne denkt? Verwunderlich ist das nicht. Canberra ist im Vergleich zu den beiden doch um einiges kleiner und unscheinbarer, außerdem so etwas wie die Notlösung im Dauerstreit, wer den Titel Hauptstadt für sich beanspruchen darf. Aber wie sagt man so schön: Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte.

Und da versucht man eben das beste daraus zu machen. Die Australier bemühen sich wirklich sehr, die kleine Hauptstadt, sie hat keine 400.000 Einwohner (Stand 2017) so attraktiv wie möglich zu gestalten. Kostenlose Museen und gepflegte Parkanlagen, natürlich alles streng geplant, prägen das Stadtbild. Überraschender Weise scheinen sich auch Kakadus hier sehr wohl zu fühlen. Die haben wir dort nämlich so zahlreich angetroffen, wie in europäischen Städten Tauben.

Höhepunkt war für uns aber der Besuch des Parlaments auf dem Capital Hill. Nach einem kurzen Sicherheitscheck kann man sich dort ziemlich frei bewegen, die Säle bestaunen und etwas über die Geschichte des Landes lernen. Vom Dach aus hat man einen hervorragenden Blick über die Stadt.

Canberra
Canberra: Parlament auf dem Capital Hill

Wir hatten es „eilig“, weil wir noch einen Abstecher in die australischen Alpen machen wollten, und haben deshalb nur einen Nachmittag in Canberra verbracht, aber man könnte sicher mehr Zeit in die Entdeckungstour durch die australische Hauptstadt stecken. Canberra sollte man nicht unterschätzen.


Melbourne – Kunst, Kulinarik und europäisches Flair

Melbourne war der letzte Stopp auf unserer Reise durch Australien. Dabei hat es ein bisschen gedauert, bis ich mit der Stadt warm geworden bin, denn die empfing uns nicht gerade freundlich. Bei uns würde man „typisches November-Wetter“ sagen, das dort Mitte August auf uns wartete. Es war kalt und regnete in Strömen. Hier wurde uns das erste Mal bewusst, dass wir Australien im Winter bereist haben und sich die Temperaturen im Süden des Landes stark vom tropischen Klima im Norden unterschieden. Damit ist es die einzige Stadt, die ich im australischen Winter nicht unbedingt empfehlen würde, abrate kann ich aber auch nicht, zu sehen und zu tun gibt es trotzdem genug.

Die Melburnians jedenfalls sind sehr stolz auf ihre Stadt Stadt und reiben den Sydneysiders gerne unter die Nase wie viel cooler sie sind. Weniger Business, mehr Lifestyle. Das zeigt sich zum einen in der vielfältigen Straßenkunst. Graffitis an den Hauswänden, Skulpturen auf den Wegen und Künstler auf den Straßen prägen das Stadtbild. Es gibt sogar eigene Streetart-Touren, denen man sich anschließen kann, um den Zauber der Stadt zu sehen und zu fühlen. Aber es geht auch klassischer. Mit dem Melbourne Museum zum Beispiel betreiben sie das größte Museum auf der südlichen Hemisphäre. Also Kunst und Kultur wohin das Auge reicht, das hat mein Herz zumindest ein bisschen erwärmt.

Kunst und Lifestyle in Melbourne

Andererseits stellen sie auch gerne ihre Sportlichkeit zur Schau, nicht nur wenn gerade die Australien Open stattfinden. Sie lieben Rugby sowie Cricket und irgendwie auch Pferderennen. Da kommt dann wieder die englische Mentalität heraus, an die eben nicht nur der historische Queen-Victoria-Markt erinnert. Überhaupt hat die Stadt ein paar europäische Charakterzüge, die die Melburnians gerne hervorheben. Zum Beispiel die engen, gepflasterten Gassen, die an europäische Altstädte erinnern und die kleinen Cafés und Restaurant mit kulinarischen Höhepunkten. Unser Free Walking Tour Guide (ich sage ja, dass ich das toll finde) hat uns für ein australisches Kulinarik-Erlebnis Metro Burger empfohlen, wo wir einen Känguru Burger probieren sollten. Das kleine Restaurant in der Degraves Street ist leicht zu übersehen, aber wer sich an das exotische Gericht heranwagen möchte, ist hier an der richtigen Adresse. Ein herrlicher Ausklang einer wunderbaren Reise.

2 Kommentare

  • Katja

    Jetzt bin ich komplett ins träumen geraten und habe in der Sonne sitzend an meine Australien 🇦🇺 Tour gedacht.
    Schön, denn jetzt ist die Frage wann man wieder hinreisen könnte.

    Liebe Grüße und danke für die virtuelle Reise
    Katja

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