Albrecht Dürer Albertina
Kultur

Albrecht Dürer in der Albertina


Jede(r) Studie ein Kunstwerk


Der Hase ist zurück! Und er hat gleich eine ganze Menge weiterer Meisterwerke und zahlreiche Studien im Gepäck. Damit begeistert die Albertina nach 16 Jahren wieder mit einer großen Albrecht Dürer-Schau. Über 200 zeichnerische, druckgrafische und malerische Werke sind zu bestaunen. Darunter befinden sich Ikonen wie die betenden Hände, Das große Rasenstück und der Feldhase. Ich habe einen Blick in die Ausstellung geworfen und den Künstler von seiner ganz „natürlichen“ Seite kennengelernt.


Albrecht Dürer und ich: Ein kleiner Exkurs

Wow, 16 Jahre. Zugegeben, von der Ausstellung damals habe ich nichts mitbekommen – zu jung, zu weit weg, zu desinteressiert – weshalb ich auch keine Vergleiche ziehen kann. Dennoch habe ich ungefähr zu dieser Zeit das erste Mal einen Albrecht Dürer „wahrgenommen“ und zwar sein Selbstbildnis im Pelzrock in der Pinakothek in München. Das war, um ehrlich zu sein, nicht ganz mein Fall – zu schwer, zu düster, zu egozentrisch, zu christianisierend. Mittlerweile habe ich aber ein bisschen mehr von Dürer gesehen und meine Einstellung ihm gegenüber hat sich stark zum Positiven verändert. Die Ausstellung in der Albertina konnte ich deshalb kaum erwarten. Anstatt auf sakrale Selbstportraits (ein Fan bin ich davon immer noch nicht) konzentriert sich die Schau in der Albertina außerdem viel mehr auf seine perfekten Zeichnungen, Drucke und Stiche.

Albrecht Dürer und die Natur: Die Kunst steckt in der Natur

Die Albertina zeigt einen stimmigen Querschnitt durch das Œuvre und den Werdegang des Renaissance-Genies. Ein Fokus liegt dabei auf der Natur. Klares Highlight ist dabei der Feldhase. Das Wappentier der Albertina kennt man wahrscheinlich nicht nur in Wien, das Original wurde aber erst ein paar Mal öffentlich ausgestellt. Umso faszinierender ist es, das berühmte Werk live zu sehen. Jeder Pinselstrich sitzt genau da, wo er hingehört und ist dabei als solcher kaum mehr auszumachen. Das Ergebnis ist ein perfekter Hase, mit buschigem Fell, der sich beinahe von seinem Hintergrund loslöst. Doch selbst in dieses realistisch gehaltene Bild schafft es Dürer, eine Finesse einzubauen. So spiegelt sich im linken Auge des Tieres das Fenster seines Ateliers.

Links und rechts neben dem Hasen hängen der nicht weniger beeindruckende Blaurackenflügel sowie Das große Rasenstück. Naturelemente waren überhaupt ein wichtiger Bestandteil von Dürers Schaffen. Zahlreiche Studien und Zeichnungen von Tieren und Pflanzen finden sich unter seinen Werken, einige lassen sich auch in bekannten Gemälden wiederfinden. Ein Beispiel wäre hier die Madonna mit der Iris, die erstmals aus der National Gallery in London anreisen durfte. Die Iris auf dem Bild gleicht fast 1:1 einer Iris-Studie, die ebenfalls in der Dürer-Ausstellung, gleich neben dem Gemälde, zu finden ist.

Albrecht Dürer Albertina
Albrecht Dürer Studien in der Albertina

Albrecht Dürer und die Studien: Ein Suchspiel

Apropos Studien. Die haben mich tatsächlich am meisten fasziniert. Hände, Gesichter, Pflanzen – in unterschiedlichen Ausführungen – sind zahlreich in der Schau zu finden. Studien, die in einer Perfektion gezeichnet wurden, dass jedes einzelne ein Kunstwerk für sich darstellt. Besonders beeindruckend und gelungen ist, dass sich (fast) jede der ausgestellten Studien in den Gemälden der Albertina-Dürer-Ausstellung wiederfinden lassen. Fast wie bei einem Suchspiel kann man sich so von Bild zu Bild bewegen. Wo tauchen die beiden kindlichen, engelsgleichen Gesichter wieder auf? Wo die Hand mit dem Buch? Wo die Iris? (Ok, das habe ich schon verraten.) Einen ähnlichen Spaß kann man sich übrigens auch machen, wenn man die berühmte Bildunterschrift (AD) Dürers oder den Künstler, der sich auch gerne selbst in seinen Gemälden verewigte, ausfindig machen will.  


Was es sonst noch in der Albrecht Dürer-Schau der Albertina zu sehen gibt

Sein Anspruch an Perfektion ließ sich aber schon bei seinem Selbstbildnis als Dreizehnjähriger (1484) erkennen. Ein absoluter Höhepunkt seiner Karriere und der Schau sind außerdem die drei sogenannten Meisterstiche: Ritter, Tod und Teufel, Hieronymus im Gehäus und Melancholia I. Auch wenn Letzteres das wohl noch immer rätselhafteste seiner Werke ist (z. B. Warum Melancholia I, wenn es doch keine bekannte II gibt), strahlen alle drei eine fast schon mystische Kraft und eine Erhabenheit aus – wahre Meisterstücke eben.
Und natürlich darf im Maximilian-Jahr auch ein kleiner Streifzug durch seine Werke rund um den österreichischen Kaiser nicht fehlen, dessen Haus- und Hof-Maler er war. Besondere Aufmerksamkeit verdient dabei der imposante Stammbaum.


Wer die Albrecht Dürer Ausstellung in der Albertina noch nicht gesehen hat, hat noch bis 6. Jänner 2020 Zeit. Und das solltet ihr euch nicht entgehen lassen, wer weiß, wie lange man auf die nächste Schau des Renaissance-Genies warten muss. 16 Jahre sind doch eine lange Zeit gewesen.

Weitere Infos zur Ausstellung in der Albertina findet ihr hier.

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