BSidesVienna
Allgemein,  Kultur

BSidesVienna 2016

Eine Literatur- wissenschaftlerin undercover auf der IT-Security Konferenz …


Als Freundin und Schwester von IT-Security Studenten/Experten/Nerds hat man es als Bücherwurm oft nicht leicht. Da stoßen einfach zwei Welten aufeinander. Höchste Zeit etwas zu ändern! Zum besseren kulturellen Verständnis habe ich mich also auf die IT-Security Konferenz BSidesVienna gewagt, um mich sozusagen undercover von den Fachvorträge an der TU Wien berieseln zu lassen. Hier der Bericht einer Außenseiterin inmitten von IT-lern:

Kleine Geschenke und große Fragezeichen

10 Uhr, TU Wien. Der erste Vortrag hatte bereits begonnen, während ich mit drei Männern vom Fach noch den richtigen Hörsaal suchte. Angeschrieben war der zweite Stock, wenn man die Zwischenstöcke aber mitzählt, war es mindestens der vierte – so bleibt man auf der TU eben fit. Von zwei freundlichen jungen Herren wurden wir schließlich vor dem Hörsaal willkommen geheißen und gleich mit einigen kleinen Aufmerksamkeiten/ Erinnerungen überschüttet: Süßigkeiten, Kugelschreiber, einen USB-Stick (juhuu, endlich habe ich einen mit mehr als 2 GB) und ein BSidesVienna T-Shirt, bei dem sich leider ein kleiner Rechtschreibfehler eingeschlichen hat („All my data went to Buffdale, UT and all I got was this lousy tshirt!“ – wie mir erklärt wurde, schreibt man Buffdale eigentlich Bluffdale, ein Ort, der den größten Datenspeicher der NSA beherbergt). Auf diesem Wege den Veranstaltern noch einmal vielen Dank und ein aufmunterndes „Nobody is perfect“.

Nach dem herzlichen Empfang durfte ich dann endlich in die Höhle des Löwen. Der Hörsaal bot Platz für etwa 170 Studierende und war am Vormittag zu etwa 30 % ausgelastet. Mit mir zählte ich drei Frauen (die Frauenquote sollte sich im Laufe des Tages nicht einmal verdoppeln).

Ich würde euch jetzt gern etwas über die drei Vorträge bis zur Mittagspause erzählen, aber ich habe leider absolut nichts verstanden, bis auf den groben Unterschied zwischen „secure and security products“ vielleicht. Der Lunchbreak kam gelegen.


Wecke die Linguistin in mir – eine Strategieänderung

So wenig ich von den technischen Vorträgen des Vormittags verstanden habe, so sehr fiel mir doch auf, was für Sprachakrobaten diese IT-Security Experten sind. Ich beschloss also, die nächsten Beiträge auf ihre rhetorischen Stilmittel zu untersuchen – und davon gab es einige. Am liebsten wurden auf der BSidesVienna Akronyme verwendet, also ein Kurzwort, das aus den Anfangsbuchstaben mehrerer Wörter kreiert wird. Mein Lieblingswort war POODLE (Padding Oracle On Downgraded Legacy Encryption) und hat was mit Sicherheitslücken in Internet-Protokollen zu tun und nichts mit der Hunderasse Pudel. Ebenfalls gerne verwendet werden Alliterationen wie „Bug Bounty“ oder Metaphern wie ein Handshake, also die Kontaktaufnahme zwischen Geräten vor eine Kommunikation.
Ich frage mich, ob es zur Linguistik in der IT schon einschlägige wissenschaftliche Arbeiten gibt …


Schlösserknacken auf der BSidesVienna 2016

Für eine kleine Abwechslung zu den Vorträgen sorgten OpenLocks.at mit Lockpicking, also dem knacken von Schlösser. Ich kann jedem nur empfehlen, diesen „Sport“ einmal auszuprobieren. Es macht irrsinnig Spaß an den Schlössern herum zu spielen. Und ich war bei jedem geöffneten Schloss richtig stolz auf meine Leistung und wurde dadurch noch ehrgeiziger. Nach etwa einer Stunde bewahrten mich meine schmerzenden Hände schließlich vor einer Karriere als Panzerknacker.


Mein finaler Durchbruch

Ein Security-Erfolgserlebnis hatte ich dann doch noch. Im letzten Vortrag meiner Anwesenheit ging es um Bug Bounty Programme, also sozusagen um Kopfgeldjäger, wenn es um Programmfehler geht. Der Vortrag war weniger technisch als seine Vorgänger und um ehrlich zu sein, hatte ich hier bereits ein kleines Vorwissen, trotzdem war ich sehr stolz, dass ich schlussendlich einem IT-Security-Vortrag von Anfang bis Ende folgen konnte.


Mein Fazit

Auch wenn ich mir teilweise ein bisschen fehl am Platz vorkam, hatte ich doch meinen Spaß. Themen gibt es schließlich genug, über die man auch als fachlicher Außenseiter nachdenken kann, man muss sich nur zu helfen wissen. Alle waren zudem sehr freundlich und hilfsbereit und ein bisschen ein Know How konnte ich mir so dennoch aneignen. Ich habe mir außerdem sagen lassen, dass solche Kongresse meistens viel großer sind, mit mehreren Vorträgen aber auch Platz für Pausen und einem gemütlichen Austausch. Eine neuere Undercover-Mission schließe ich jedenfalls nicht aus.

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