Harry Potter and the cursed child
Kultur

Theater: Harry Potter and the Cursed Child

Nächster Halt: Hogwarts!


Ich bin wohl das Paradebeispiel für das, was man als Harry-Potter-Generation bezeichnet. Von der ersten Zugfahrt mit dem Hogwartsexpress, über nächtliche Ausflüge mit der Karte des Rumtreibers unter dem Tarnumhang, über Zaubertränkeunterricht bei Professor Snape bis hin zur finalen Schlacht habe ich alles miterlebt. Habe mitgezaubert. Mitgelitten. Mitgeträumt. Und wie aufgeregt war ich nach dem schweren Abschied, als 2016 ein achter Harry Potter angekündigt wurde. Nachdem ich das Drehbuch von Harry Potter and the Cursed Child bereits wenige Tage nach Erscheinen gelesen hatte, habe ich es nur 2 ½ Jahre später endlich zur Aufführung im Palace-Theater in London geschafft. Mischief managed!

Dieser Text ist eine Rezension und kann Spoiler enthalten.


Abfahrt vom Gleis 9 ¾

Harry Potter and the Cursed Child startet dort, wo der 7. Harry Potter Roman aufgehört hat: 19 Jahre nach der großen Schlacht von Hogwarts am Gleis 9 ¾. Harry und Ginny, inzwischen verheiratet, verabschieden ihre beiden Söhne. Für  Harrys jüngsten Sohn Albus Severus ist es das erste Jahr in der Zauberschule. Albus leidet unter dem Ruhm seines Vaters und hat Zweifel, ob er dieses „Erbe“ antreten kann. Streitereien stehen an der Tagesordnung. Zu allem Überfluss steckt ihn der Sprechende Hut dann auch noch nach Slytherin, wo sich der Außenseiter ausgerechnet mit Draco Malfoys Sohn Scorpius anfreundet. Eine Freundschaft, die ihnen durchaus gut tut, aber nicht jeder gut heißt. Und Auswirkungen sowohl auf die Vergangenheit als auch die Gegenwart hat. Zahlreiche überraschende Wendungen inklusive.

Magie liegt in der Luft

J. K. Rowling stellte von Anfang an klar: Harry Potter and the Cursed Child ist für die Bühne gedacht. Kein Roman. Kein Film. Ein Theaterstück sollte es sein. Aufgeteilt auf zwei Teile, die man sich am Stück oder aufgeteilt an zwei Abenden anschauen kann. Für die Inszenierung hat sich das Team rund um Jack Thorne, John Tiffany und Co. einiges einfallen lassen und räumte dafür 2018 ganze sechs Tony Awards ab. Zu den Auszeichnungen gehörten neben Drehbuch und Regie auch das Bühnenbild und die Lichteffekte – und das zurecht. Die Bühnenshow ist ein echtes Erlebnis. Menschen verwandeln sich. Gegenstände verselbständigen sich. Und magische Wesen fliegen durch die Luft. Eine kunstvolle Zaubershow, die das Kind in einem zum Staunen bringt. Eine liebevolle Illusion, die man einfach nur genießen kann. Besonders beeindruckend sind dabei die Dementoren. Unheimlich wie eh und je schweben sie mit einer Leichtigkeit über die Köpfe der Zuseher hinweg und lassen ihnen einen kalten Schauer über deren Rücken laufen. Ein Stückchen Schokolade für die Nerven ist an dieser Stelle keine schlechte Idee.

Ein M kommt selten allein

Harry Potter and the Cursed Child versammelt zudem eine Vielzahl liebgewonnener Charaktere. Dabei beweisen die Macher ein ausgezeichnetes Händchen bei der Auswahl des Casts. Der 19 Jahre ältere Harry Potter (gespielt von Jamie Ballard) ist dem James Potter aus den Filmen wie aus dem Gesicht geschnitten. Ähnlich verhält es sich mit Draco Malfoy (James Howard) und seinem filmischen Vater sowie mit den vielen anderen Schauspielern, die äußerlich ihren filmischen Pendants ähneln. Für einen Überraschungsmoment sorgte hier nur Hermione Granger, die, verkörpert durch Franc Ashman, schwarz ist. Rowling lässt dazu über Twitter ausrichten: “Brown eyes, frizzy hair and very clever. White skin was never specified. Rowling loves black Hermione.” Ein Blick in die Bücher gibt ihr Recht. Hat man sich an diesen optischen Bruch erst gewöhnt, weiß man, dass Ashman die Rolle mehr als verdient hat. Sie setzt die kluge, dadurch manchmal ein bisschen anstrengende, aber doch liebenswerte und einfühlsame Hermione perfekt in Szene.

Meine absoluten Lieblinge sind aber die beiden „M“s: Scorpius Malfoy und die maulende Myrte. Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, ausgerechnet die beiden hibbeligsten Figuren der Inszenierung.
April Hughes spielt mit der Leichtigkeit, wie sie einem Geist gebührt, die Rolle der maulenden Myrte. Ohne auch nur eine Sekunde still zu sitzen, bewegt sie sich auf dem Waschbecken agil und elegant hin und her. Taucht ab und wieder auf. Und redet ohne Punkt und Komma in einer schrillen, hohen Tonlage mit einer kindlich unschuldigen und gleichzeitig durchtriebenen Stimme. Ich fand ja schon die Inszenierung der maulenden Myrte in den Filmen durchaus gelungen, aber April Hughes toppt das Ganze und hebt den Charakter auf ein neues Level.
Scorpius Malfoy, verkörpert durch Jonathan Case, hat mit seinem Vater Draco Malfoy aus den Büchern und Filmen nicht viel gemein. Unsicher, tollpatschig, sarkastisch und absolut liebenswert haucht Case seiner Rolle Leben ein und verleiht ihr seinen ganz eigenen Touch. Eine persönliche Handschrift, die weit weg von dem starren Text des Drehbuches ist. Meiner Meinung nach ist er der eigentliche Held der Geschichte.


Wie das gemeint ist? Das findet ihr am besten selbst heraus. Ich kann jedem, der nur ein bisschen von der Harry Potter Magie verzaubert ist, das Stück empfehlen. Wem London zu weit ist oder wer sich im Deutschen ohnehin wohler fühlt, kann sich schon mal 15. März 2020 vormerken. Da feiert Harry Potter und das verwunschene Kind in Hamburg Premiere.  Ich glaube, ich werde mir den Termin auch notieren …

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