Paul Flora

Ein Blick in die Ausstellung des Tiroler Landesmuseums

Paul Flora: Zwischen Kunst und Karikatur

Paul Flora ist wohl einer der bekanntesten Tiroler Künstler. Vor allem seine politischen und gesellschaftskritischen Karikaturen – über 3.000 – in der deutschen Wochenzeitung Die Zeit machten Flora berühmt. Die Arbeit als Karikaturist war ihm aber nicht genug, immer wieder versuchte er sich von diesem Status zu distanzieren und als freier Zeichner erfolgreich sein. Aber ist Karikatur nicht auch Kunst?

Die Ausstellung Paul Flora. Karikaturen (30.9.2016 – 26.3.2017) im Ferdinandeum der Tiroler Landesmuseen geht genau dieser Frage nach. Sie stellt seine Werke nicht nur in einen zeithistorischen, sondern auch in einen künstlerischen Kontext. Auf zwei Etagen findet man sowohl seine Karikaturen für Die Zeit, bekommt aber auch einen spannenden Einblick in die Arbeit des Künstlers. Skurrile Gegenstände aus seinem Atelier, wie ein roter Stöckelschuh sind genauso zu finden, wie seine Ideensammlungs-Mappen und zahlreiche Postkarten. Eine kleine Schaubibliothek mit einem Auszug seiner Büchersammlung, die 2015 als Gesamtbestand an die Tiroler Landesmuseen gingen (der Gesamtbestand umfasst mehrere 1.000 Werke), wurde zudem zum Schmökern eingerichtet – alles zusammen gibt den Besuchern einen kleinen Einblick in die Person Floras, sein Wirken und Schaffen, seinen großen Freundeskreis und seine Arbeitsmoral.

Paul Flora begleitet mich schon seit meiner Kindheit – aber eben nicht als Karikaturist sondern eben als Zeichner. Eines seiner „Tiroler-Zeichnungen“ hängt in Druckausführung im Wohnzimmer meiner Eltern und auch bei Verwandten und Bekannten sind ähnlich Bilder zu finden – die Tiroler sind eben stolz auf ihre Kultur 😉 Und wie ich finde, zurecht!

Floras Federführung ist flüchtig und dennoch präzise. Die Bilde wirken einfach und dennoch detailliert. Die Motive sind naheliegend und dennoch genial. Genau dieses Paradoxa, die dann doch keine sind, machen seine Bilder so speziell, sein Schaffen so einzigartig und den Künstler besonders. Dabei sind die Werke großteils im Schwarz-Weiß-Kontrast gehalten und nur in Außnahmefällen begegnet einem ein farbenprächtigeres Konzept. Was aber nie fehlt ist ein ironischer Unterton, eine Doppeldeutigkeit. Zweifellos ein Charakteristika eines Karikaturisten, das er sich aber auch als freischaffender Künstler nicht los wurde – offensichtlich mit ein Grund, warum er dieses Image nie los wurde. Und ehrlich gesagt auch: Gott sei Dank! Denn selbst wenn Flora stets versuchte, den Karikaturist in sich zu vertreiben, so ist es genau dieser teil von ihm, der seinen Stil und sein Schaffen prägte und seinen späteren Werken das gewisse Etwas gibt. Schlussendlich geht es nicht um die Form seiner Werke, ob Malerei, Karikatur oder Zeichnung, die seine Kunst zu Kunst machen, sondern um die Qualität, die Aussagekraft und die Bedeutung, die er und die Öffentlichkeit seinen Bildern beimessen.

Und das ist genau das, was die Schau im Ferdinandeum zeigt. Künstlerisch, gleichzeitig humorvoll und kritisch präsentiert sich jede einzelne seiner Zeichnungen und machen die Ausstellung zu einem kurzweiligen, lustigen und spannenden Erlebnis. Und auch wenn man wie ich nicht alle Anspielungen in der Karikaturen versteht (wahrscheinlich bin ich für den ein oder anderen gesellschaftspolitischen Seitenhieb der 60er einfach zu jung oder politisch einfach zu ungebildet) ist es ein Museumsbesuch der Lust auf mehr macht – nicht nur den Tirolern 😉

Bild: Karikatur „Deutscher Bildungsweg“ von Paul Flora; politische Karikatur für DIE ZEIT, 30.1.1970
© Klocker Stiftung

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