bleiben Judith Taschler
Literatur

Rezension: bleiben || Judith Taschler


Das Leben geht seine eigenen Wege und dabei will man nur bleiben


Manche nennen es Schicksal, andere Zufall und dritte eine göttliche Fügung. Es gibt einfach Dinge, die man nicht beeinflussen kann. Die passieren. Und dann gibt es bewusste Entscheidungen, mit denen wir unser Leben selbst in die Hand nehmen können. bleiben von Judith Taschler bewegt sich genau an dieser Gabelung. Es geht um unverhoffte Begegnungen, die unser Leben nachhaltig beeinflussen. Aber auch um selbst getroffene Beschlüsse, die einen (nach Jahren noch) prägen und beschäftigen. Es geht um Liebe und Tod. Um Reue und Vergebung. Um Ziele/Pläne und Hoffnung. Und ums „bleiben“.


Einfach bleiben


Judith Taschler erzählt ihren Roman bleiben abwechselnd aus vier Ich-Perspektiven zu unterschiedlichen Zeiten in monologischen Dialogen: Paul im Juni 2015, Juliane im Dezember 2015, Max im September 2015 und Felix im Mai 2015. Sie erzählen das Geschehen aus ihren persönlichen Perspektiven, reden über ihr inneres Erleben, analysieren die Situation und geben Rückblicke, wie alles begann.

Die Protagonisten lernten sich einst in einem Zug nach Rom kennen. Damals ahnte noch niemand, wie sehr ihr Leben, ihr Schicksal miteinander verworren ist. Nun, 20 Jahre später kreuzen sich ihre Wege abermals. Paul und Juliane sind inzwischen verheiratet. Max ist Künstler geworden. Und Felix arbeitet als Fotograf. Er und Juliane sehen sich in einer Galerie wieder, wo Max ein Bild von ihr ausgestellt hat. Von da an treffen sie sich regelmäßig, bis Felix den Kontakt plötzlich abbricht. Ausgerechnet von ihrem Mann erfährt sie, dass Felix schwer an Krebs erkrankt ist. Eine Krankheit, welche die Handlung vorantreibt. Und das obwohl sie eigentlich nur bleiben wollen. Im gewohnten Alltag. Im Moment. Im Leben.

Judith Taschler hat bleiben einem an Krebs erkrankten Freund gewidmet, der kurz vor seinem Tod den prägenden Satz „Ich würde schon noch gerne bleiben“ gesagt hatte und damit die Basis für den Roman legte. Und so beginnt auch die Erzählung mit: „Lass uns noch ein bisschen bleiben.“ (Paul, Juni 2015). Der wundervolle Beginn einer einfühlsamen, emotionalen Geschichte. Da verzeiht man ihr auch den ein oder andere Zahlendreher und die doch sehr große Anzahl an Zufällen, Fügungen oder schicksalhaften Wendungen, die den Roman und seine Figuren schlussendlich lenken.


Vier Perspektiven


Ich persönlich mag auch die vorher schon angesprochene Erzählweise. Vier Protagonisten, die abwechselnd und unabhängig voneinander, zu unterschiedlichen Zeitpunkten erzählen und so die Geschichte wie ein Puzzle zusammensetzen. Am Anfang war es zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber man lernt die Protagonisten so nochmal von einer anderen Seite kennen. Jeder hat eine eigene Sprache, jeder geht unterschiedlich in die Tiefe. Paul ist pragmatischer, kühler, nüchterner in seinen Ausführungen. Er ist normalerweise wohl nicht der Typ, der über sich und seine Probleme gerne redet. Während man Felix von einer sehr emotionalen Seite kennenlernt und von seinen tiefsten Wünschen und Bedürfnissen erfährt. So werden vier individuelle Blickwinkel kreiert, vier Personen mit denen man sich identifizieren kann und die einen auf ihre Art und Weise an den Roman bannen.



Judith Taschler
… ist 1970 in Linz, Oberösterreich geboren und lebt mittlerweile mit ihrer Familie in Innsbruck. Ihr Debütroman Sommer wie Winter erschien 2011 im Picus Verlag. Bis heute veröffentlichte sie sechs weitere Werke.


Zum Buch
Titelbleiben
Autor: Judith Taschler
Verlag: Droemer (München, 2016)
Seiten: 256
ISBN: 978-3-426-28132-1

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