Reisen

Schnorcheln im Great Barrier Reef


Ein Kindheitstraum mit Beigeschmack


Wasser und ich – das gehört einfach zusammen. Einmal drin, bekommt man mich so schnell nicht mehr heraus. Vor allem das Meer hat mich dabei immer schon fasziniert. Es ist, als ob man in eine andere Welt eintauchen würde. Eine verlangsamte Welt. Eine intensivere Welt. Zumindest für mich. Mein Traum (spätestens seit Findet Nemo): Schnorcheln im größten und vielfältigsten Korallenriff der Welt. Schnorcheln im Great Barrier Reef. Auf meiner Australienreise ist er nun in Erfüllung gegangen. Ein atemberaubendes Erlebnis mit einem bitteren Beigeschmack.

Das Great Barrier Reef ist ein über 2.000 Kilometer langes Ökosystem entlang der Ostküste Australiens mit hunderten Korallenarten und unzähligen unterschiedlichen Meeresbewohnern. Ein Weltwunder der Natur, das sogar vom Weltall aus zu sehen ist. Ein einzelner Trip hätte da nicht gereicht. Deshalb haben wir uns gleich zwei Touren angeschlossen, um dieses unglaubliche Korallenriff zu erkunden.


Trip 1: Rund um Cairns


Die Tour mit der Falla


Gleich am Tag nach unserer Rückkehr von Cape Tribulation haben wir uns das erste Mal in die Tiefen des Great Barrier Reefs gewagt. Schon um 8 Uhr morgens ging es mit der Falla, ein kleines Segelboot (im Gegensatz zu den anderen großen Kreuzern), und einer kleinen Gruppe von ca. 10 Personen hinaus aufs Meer. Die eintägige Tour mit der Falla haben wir kurzfristig und günstig via bookme gebucht. Es herrschte an Bord ein unglaublich familiäres Klima. Doug der Kapitän war so, wie ich mir einen Bilderbuch-Seemann vorstellte. Zwar ein bisschen eigen, sogar das „Arrr“ gehörte zu seinem gängigen Sprachgebrauch, aber sonst lieb und rücksichtsvoll und er hatte massenhaft Infos über das Riff und die Korallen, die er auf leidenschaftliche Art und Weise mit uns teilte. Auch die Verpflegung war lecker und ausreichend – verhungert sind wir jedenfalls nicht.


Great Barrier Reef rund um Cairns


Wir hatten für unsere Tour zwar einen sehr schönen, aber windigen Tag mit hohem Wellengang erwischt, deshalb war die Fahrt etwas unruhig. Aber Doug führte uns sicher zu zwei Spots zum Schnorcheln im Great Barrier Reef, abseits der touristischen Massen. Also rein ins kühle Nass.
Durch das Wetter war die See aufgewirbelt, weshalb das Wasser teilweise recht trüb war. Die Schönheit der Unterwasserwelt blieb uns trotzdem nicht verwehrt. Gelbe, ockerfarbene und pinke/violette Korallen leuchteten uns in den unterschiedlichsten Formen entgegen, während sich bunte Fische ihren Weg hindurch bahnten. Atemberaubend mit einem bitteren Beigeschmack. Denn viele Korallen waren abgebrochen, abgestorben und lagen leblos am Boden. Unter anderem eine Folge des Zyklon Debbie (2017), der große Teile des Great Barrier Reefs verwüstete – vor allem um die Whitsunday Islands.


great barrier reef


Trip 2: Rund um die Whitsunday Islands


Gleich vorne Weg: Die Whitsunday Islands sind für mich ein Stückchen Paradies auf Erden. Ich habe selten so ein blaues Meer und so weiße Strände gesehen. Allen voran: Whitehaven Beach. Der angeblich weißeste Strand der Welt ist zwar sehr gut von Touristen besucht, dennoch ist die Kulisse unglaublich schön.


Die Tour mit der Matador


Den dreitägigen Segeltrip mit zwei Übernachtungen haben wir auf Empfehlung einer deutschen Auswanderin (an dieser Stelle nochmal herzlichen Dank für den Tipp liebe Tille) über Happy Travellers gebucht. Ursprünglich sollte es mit der Spankme sein. Allerdings legte das Schiff einen Tag früher ab und leider haben sie uns wohl nicht erreicht, um uns das mitzuteilen. Glück im Unglück würde ich sagen, denn der Anbieter buchte uns kurzer Hand auf die Matador um, die noch zwei freie Plätze hatte. Im Prinzip die gleiche Tour nur mit einem anderen Schiff und einer anderen Crew. Also alles nochmal gut gegangen.

Nach dem Sting Suit Fitting ging es mit ca. 20 anderen Gleichgesinnten unter 30 (!) ab aufs Boot, Bettenauswahl für die zwei Nächte an Bord (ca. 10 Personen pro Kajüte) und eine kurze Vorstellrunde mit Klärung der Regeln folgten. Auch hier kann ich über die Organisation und Betreuung nur Gutes sagen. Alle waren sehr bemüht, lustig und zuvorkommend und auch an der Verpflegung gab es nichts zu meckern – auf Vegetarier und Personen mit Lebensmittelallergien wurde ebenfalls Rücksicht genommen.


Great Barrier Reef um die Whitsunday Islands


Insgesamt konnten wir an vier unterschiedlichen Plätzen im Great Barrier Reef rund um die Whitsunday Islands schnorcheln gehen. Dabei machten die Islands ihrem Ruf alle Ehre. Bunte Korallen und Fische, Seesterne und Rochen, Schildkröten und vieles mehr kreuzten unseren Weg. Und dennoch: An manchen Stellen glich das Meer einem Grab, einem Korallengrab, das einem den Magen zusammenziehen lässt. Die Spuren des Zyklons sind hier deutlich zu sehen, noch deutlicher als in Cairns. Das Riff würde Jahre brauchen, um sich davon wieder zu erholen. Wird es aber wohl nicht, denn die Zerstörung, die durch Menschenhand passiert, ist noch viel schlimmer. Gerade in solchen Augenblicken, wo die Schönheit und Tragik der Natur so eng beieinander liegen, wird einem das Ausmaß unserer Rücksichtslosigkeit wieder so richtig bewusst. Die traurige Ernüchterung nach einer wirklich gelungenen Reise.


Great Barrier Reef


Sternenhimmel über dem größten Korallenriff der Welt


Nachsatz zum Segelturn um die Whitsunday Islands: Da sie abseits der Zivilisation liegen und die meisten kaum besiedelt sind, kommt man nachts in den Genuss eines außergewöhnlichen Sternenhimmels mit Blick auf die Milchstraße. Auch Nicht-Romantiker können da durchaus ins Schwärmen geraten.


Schlusswort zum Great Barrier Reef


Das Schnorcheln im Great Barrier Reef war eines der außergewöhnlichsten Erlebnisse in meinem Leben. Ein Naturschauspiel, das man kaum beschreiben kann. Und auch wenn ich jedem nur empfehlen kann, sich das mindestens einmal im Leben selbst anzuschauen, muss man sich doch bewusst werden, was man der Natur damit antut. Das Great Barrier Reef ändert sich jeden Tag. Es ist heute nicht mehr das, was es damals war. Und ja, Naturkatastrophen wie der Zyklon Debbie haben viel zerstört. Doch die globale Erderwärmung sowie die direkte Zerstörung durch den Menschen (große Schiffe, unvorsichtiges Verhalten im Wasser, Vermüllung der Meere u. v. m.) haben den meisten negativen Einfluss. Es muss hier schnell etwas passieren, um dieses Stückchen Paradies zu erhalten.

Tipp: Wer ein bisschen Zeit hat, sollte dazu unbedingt auch im Reef HQ Great Barrier Reef Aquarium in Townsville vorbei schauen (bevor oder nachdem man von dort zum Koalasuchen auf Magnetic Island übergesetzt hat). Es ist das größte Korallenriff Aquarium weltweit und zeigt einem eben nicht nur die schönen Seiten des Great Barrier Reefs auf. Die Schattenseiten und negativen Entwicklungen sind ebenso zu sehen wie die Vielfalt und Besonderheiten des Riffs sowie Engagements, etwas gegen die fortschreitende tragische Veränderung zu tun.

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