Hong Kong an einem Tag

Ein Zwischenstopp in Chinas Metropole der sich lohnte

Hong Kong

Rechts das Meer, links die Berge. Schon die Landung am Flughafen in Hong Kong hat etwas für sich und zeigt eines ganz klar: Hong Kong ist vielfältig und eine Stadt der Gegensätze. Wir haben die ehemalige britische Kolonie als eineinhalbtägigen Zwischenstopp auf unserem Weg nach Australien/Neuseeland eingeplant. Der Plan: Ein bisschen die Füße vertreten und sich auf den Urlaub einstimmen. Aber schon der erste Eindruck zeigte: tolle Erinnerungen können wir auch schon von hier mitnehmen.

Hong Kong ist…

Hong Kong ist groß, Hong Kong ist aber auch kleinteilig. Hong Kong ist modern, Hong Kong ist aber auch heruntergekommen. Hong Kong ist ein Teil von China, Hong Kong ist aber auch europäisch-amerikanisch. Hong Kong ist bevölkerungsmäßig und touristisch überlaufen, aber trotzdem ist Hong Kong einen Aufenthalt wert.
Ich weiß, nach dieser Aufzählung könnte man meinen gegenwärtigen Geisteszustand in Frage stellen, aber Hong Kong ist einfach all das und noch viel mehr.

Geografisch gesehen besteht Hong Kong aus einer Halbinsel und vielen kleineren und größeren Inseln. Am bekanntesten sind dabei Lantau Island (hier befindet sich auch der Flughafen), Kowloon (Teil der Halbinsel) und Hong Kong Island. Unser Hotel befand sich auf letzterer, weshalb sich unsere Stadterkundung aufgrund des Zeitmangels hauptsächlich auf diesen Stadtteil konzentrierte. Wir hatten das Glück, dass unser Hotel einen gratis Shuttle-Service anbot. So mussten wir vom Flughafen nur mit der Metro zur Central Station gelangen und wurden von dort aus direkt ins Hotel kutschiert.

Hong Kongs Architektur

Schon bei dieser ersten Fahrt fiel mir eines besonders auf: die Architektur. Wow! Wer in Hong Kong Wolkenkratzer erwartet, wird nicht enttäuscht. Es reiht sich ein Riesen-Gebäude neben das andere. Glas, Gold, Prunk – jedes versucht das andere eindrucksvoll in Schönheit, Modernität und Höhe zu übertrumpfen. Sogar eine Kirche – so richtig mit Kirchturm – findet man auf der Spitze eines Hochhauses. Zwischen diesen imposanten Gebäuden – und das erstaunte mich doch und beeindruckte mich irgendwie – kommen auch heruntergekommenere Hochhäuser zum Vorschein. Farblos und verputzlos, mit Satellitenschüsseln und Wäscheleinen an den Wänden erinnern sie an die Schattenseiten der überbevölkerten Stadt. Was auf der einen Seite eindrucksvoll das widerspiegelt, was in der Gesellschaft verkehrt läuft, macht auf der anderen Seite aber auch den Charme der Stadt aus. Hong Kong wirkt dadurch nicht glatt und steril, sondern offen und authentisch.

Den Höhepunkt des Stadtbildes bildet aber wie in vielen anderen großen Städten die Skyline. Die kann sich vor allem am Abend wirklich sehen lassen. Alles blitzt, blinkt und leuchtet. Dass man in Hong Kong auf diesen Anblick stolz ist, unterstreicht die laut dem Guinessbuch der Rekorde weltweit größte regelmäßig stattfindende Licht- und Klangshow. Im Takt der Musik werden die Gebäude mit unterschiedlichen Farben und Mustern erleuchtet. Umspielt wird das Ganze von Lasern. Was spektakulär klingt, ist es dann aber doch nicht so wirklich. Die Stadt selbst leuchtet bereits ohne dieser Special-Effects so hell, dass man von der Show selbst gar nicht so viel sieht. Dennoch ist ein Spaziergang an den Promenaden wirklich zu empfehlen.

Ein Besuch beim Tian Tan Buddah

Hong Kong hat aber noch viel mehr zu bieten. Allen voran, und das hat mich am meisten überrascht, Natur. Rund um die Stadt selbst gibt es zahlreiche Berge und Naturgebiete, die zum Wandern einladen und den Spagat zwischen Land und Urbanität schafft. Denn von vielen dieser „Höhepunkte“ hat man eine tolle Aussicht – sowohl auf Hong Kong als auch auf das Meer.

Wir haben uns entschieden, nach Ngong Ping zu fahren, um dem Tian Tan Buddah einen Besuch abzustatten. Dieser befindet sich auf Lantau Island. Mit einer Gondel gelangt man hinauf zu der Tempelanlage. Für einen überschaubaren Aufpreis kann man eine Gondel mit einem Glasboden buchen. So hat man einen hübschen 360°-Rundum-Blick auf Meer, Stadt und Berge. Für jemanden der in den Alpen aufgewachsen ist, hält sich der Sensationsfaktor zwar in Grenzen, dennoch war es eine nette Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Für die Talfahrt haben wir uns dann aber doch für die „normale“ Gondel entschieden. Für die sportlichen, die auch der Hitze Stand halten können, gibt es außerdem einen Wanderpfad. Von der Gondel aus wirkte er zumindest gepflegt und war recht nett anzusehen. 😀

Oben angekommen gelangt man in einen kleinen Ort. Wer aber einen Starbucks, Subway oder Souveniergeschäfte sucht, wird, wie fast überall in Hong Kong, fündig. Die anschließende Promenade bietet sowohl Menschen als auch Kühen Platz – auf seinen Proviant passt man deshalb besser auf. Mit zahlreichen anderen Touristen pilgert man anschließend die 268 Stufen zu einem der größten Buddahs Chinas hoch. Der Tian Tan Buddah ist aus Bronze gefertigt und sitzt auf einem dreistöckigen Altar. Rundherum sind kleinere Statuen angeordnet, die dem Buddah Gaben bringen und ihm huldigen. Der Weg hoch lohnt sich aber nicht zuletzt auch wegen der hervorragenden Aussicht. Die Anlage selbst ist parkartig gestaltet und lädt zum Verweilen und Jausnen ein. Neben dem Tian Tan Buddah gibt es noch weitere Tempelräumlichkeiten zu besichtigen wie den Tempel der 10.000 Buddahs. Diese sind jedoch nicht zu jeder Zeit für jeden geöffnet. Als wir dort waren, fand gerade eine Art Kongress oder Seminar statt. Einen Blick in die prunkvollen Hallen konnten wir aber dennoch erhaschen. Der Zugang zum gesamten Areal ist übrigens kostenlos.

Was es sonst noch zu sagen gibt…

In Hong Kong leben auf etwa 1104 qm über 7 Millionen Menschen. Von Hektik spürt man aber kaum etwas. Dafür ist das Verkehrssystem gut ausgebaut und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln kommt man hervorragend und schnell von A nach B.
Auch Verständigungsprobleme hat man meistens keine, da Englisch neben Chinesisch (wie auch immer das definiert ist) als Hauptsprache des Landes gilt. Wie man ein Ticket für die MRT kauft, konnte uns allerdings so schnell keiner erklären. Dennoch zeigten sich alle freundlich und hilfsbereit und waren bemüht, uns an jemand anderen zu verweisen, der uns eventuell besser weiterhelfen konnte (Tickets kann man übrigens direkt beim Automaten in der MRT-Station kaufen).
Hong Kong ist außerdem unglaublich international. Europäische und amerikanische Geschäftsleute, Studierende, etc. trifft man beinahe genauso viele wie asiatische. Das wirkt sich natürlich auch auf die Esskultur aus. Chinarestaurants, diverse Franchiseketten, Irish Pubs und Fish & Chips Lokale drängen sich dicht aneinander.

Wer in Hong Kong chinesisches Flair sucht, findet es, zumindest im Zentrum, nur bedingt. Für unseren Zwischenstopp war es jedoch ideal. Die Stadt, Natur und unkomplizierten Menschen haben uns sanft in Urlaubsstimmung versetzt, ohne uns zu sehr einem Kulturschock auszusetzen. Und wenn wir China erkunden, sieht uns Hong Kong bestimmt für ein oder zwei Tage wieder.

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