Trakai
Reisen

Über Estland, Lettland und Litauen

Wo liegt eigentlich das Baltikum?

„Wohin fährst du heuer auf Urlaub“ ­– „Baltikum“ – „Cool….Wo ist das?“

Äääh…ja… So oder so ähnlich verliefen einige meiner Gespräche vor meiner Reise in das Baltikum. Vielleicht taugt der Geografieunterricht wirklich nichts , wie mein Vater sagt, oder meine Magic-Life-Freunde kennen nur mehr die Clubs und Bars in Antalya und Hurghada – welche Gründe es auch immer sind, ich kann nur raten, diese Wissenslücke schnellstmöglich zu schließen.

Estland, Lettland und Litauen mögen zwar klein sein und können so im Nord-Osten Europas zwischen großen Nachbarn wie Russland oder Polen leicht übersehen werden, doch weder landschaftlich noch kulturell müssen sie sich verstecken. Die Reiseführer sind sich einig und jeder der dort war kann es bestimmt bestätigen: die alten Schlösser, verwunschenen Wälder und entlegenen Seen verleihen dem Baltikum etwas Märchenhaftes. Obwohl sich die drei baltischen Staaten in diesen Punkten sehr ähnlich sind, so unterscheiden sie sich doch in kultureller Hinsicht. Wer sich also für Geschichte, Kultur, Architektur, Natur, Land und Leute interessiert, ist im Baltikum an der richtigen Adresse.


Meine Reise

Ende August machten wir uns mit dem Camper von Innsbruck aus auf den Weg in den Nord-Osten von Europa: 2 Wochen Zeit, 5.000 Kilometer zu bewältigen und 5 Länder zu bereisen. Nach drei Tagen Autofahrt über Deutschland und Polen mit Zwischenstopp in Breslau waren wir endlich im Süden Litauens angelangt, unserem eigentlichen Ausgangspunkt. Von Litauen nach Estland, von Vilnius bis nach Tallin sollte uns die Reise führen und uns in der kurzen Zeit zumindest an den wichtigsten Highlights vorbeiführen.


Litauen

Natur. Seen. Schlösser. Dass genau diese drei Punkte prägnant für Litauen sind, wurde uns bereits bei unserem ersten Stop bewusst. Trakai ist ein kleines Dorf im Süden Litauens. Durch enge Straßen, vorbei an kleinen bunten Häusern gelangt man an den Galve See. Auf einer Insel in der Mitte des Sees erhebt sich eine mittelalterliche Wasserburg. Umgeben von tiefblauem Wasser und dunkelgrünen Bäumen sticht das rote Ziegelgemäuer schon vom Ufer aus hervor – kein Wunder, dass dieses Bild eines der beliebtesten Motive auf litauischen Postkarten ist. Über eine Brücke gelangt man schließlich zu der Burg, die heute ein Museum beherbergt. Ein Rundwanderweg lädt zu einem kurzen aber schönen Spaziergang um das Bauwerk ein.

Nur 28 km weiter liegt die Hauptstadt des Landes: Vilnius. Wir übernachteten am Camping Vilnius City, der etwa 45 Geh-Minuten vom Zentrum entfernt liegt (er soll aber auch über eine gute Busverbindung verfügen). Vilnius befindet sich noch im Aufbau und man merkt der Stadt die Spuren der ehemaligen Sowjetunion noch an. Das gilt jedoch nicht für das Zentrum. Die Altstadt von Vilnius gilt als die größte Barockstadt Europas. Die engen Straßen laden zum Schlendern und Kaffeetrinken ein und auch in Seitenstraßen, wie der Literaturgasse, die von litauischen Künstlern nach litauischer Literatur gestaltet wurde, kann man einiges entdecken. Am meisten sind mir aber die vielen Kirchen in Erinnerung geblieben, selten habe ich so viele auf einem Fleck gesehen. Von der schneeweißen Vilnius Kathedrale St. Stanislaus über St. Ladislaus und die gotische St. Annenkirche, die Napoleon anscheinend sogar mit nach Paris nehmen wollte, bis hin zur mächtigen Bernhardinerkirche hinterlassen sie (auch bei weniger religiösen Besuchern) Eindruck.

Ebenfalls ein litauisches Must-See ist der Berg der Kreuze. Mehr oder weniger aus dem Nichts erhebt sich im flachen Litauen, kurz vor der Grenze zu Estland, eine Hügel voll mit Kreuzen. Zahlreiche Geschichten und Legenden ranken sich um den spirituellen Ort , der nach zahlreichen Zerstörungen und Wiederaufbauten zunehmend zu einem Symbol des kommunistischen Widerstandes wurde. 1993 hielt sogar Papst Johannes Paul II eine Messe unter freiem Himmel ab, ein Altarpavillon erinnert noch an diesen Tag. Mittlerweile ist der Hügel zu einer Touristenattraktion geworden, mit dem das Land gutes Geld verdient. Die mehreren 100.000 Kreuze, die sich in unterschiedlichsten Größen und Ausführungen auf dem kleinen Areal tummeln, sind aber auch wirklich beeindruckend. Und jeder ist eingeladen, ein weiteres Kreuz dazuzustellen.

Berg der Kreuze

Lettland

Wenn ich an Lettland denke, denke ich persönlich als erstes an die lettische Hauptstadt Riga – und das nicht zu unrecht, ist sie doch unlängst zu einer der schönsten Städte Europas gewählt worden. Riga ist jung und lebendig und strahlt gleichzeitig eine gewisse Ruhe aus. Zugegeben, wir haben ein richtiges Traumwetter für unsern Städtetrip erwischt.
Unsere Erkundung startete beim Riga City Camping. Von dort aus braucht man nur wenige Minuten in die Altstadt. Am besten bahnt man sich etwas „planlos“ den Weg durch die Gassen und lässt die Stadt einfach auf sich wirken. Erst auf dem Domplatz, vor der mittelalterlichen Kathedrale Rigas, haben wir bei einem kleinen Imbiss den Reiseführer ausgepackt und uns über die Stadt erkundigt. Da machte es plötzlich Sinn warum eine Menschentraube aufgeregt vor einer Gebäudereihe posierten und wie wild fotografierten. Die sogenannten „Drei Brüder“ gehören zu den ältesten Gebäuden der Stadt und sind das Äquivalent zu den „Drei Schwestern Tallins“. Es sind die Details, die Riga ausmachen, wie man sie auch bei den spektakulären Jugendstilfassaden sieht. Die berühmtesten findet man in der Alberta iela (Straße). Aber wenn man aufmerksam die Stadt erkundet, entdeckt man sie kunstvollen, verschnörkelten und symbolischen Fassaden überall. (Zur Zeit werden allerdings viele dieser Fassaden restauriert und verstecken sich deshalb hinter Gerüsten und Bauabdeckungen).
Wer Zwischendurch von der Entdeckungstour eine Pause braucht, setzt sich am besten in einen der wundervollen Parks der Stadt. Der Kronvalda Park ist der größte Rigas und mit seinem Fluss und den vielen Straßenmusikern wirklich malerisch und romantisch.

Prachtvoll ist auch das Schloss Rundale in der Nähe von Bauska. Es gilt als das Versailles des Baltikums. Wir waren leider erst zu spät vor Ort, um es von innen zu besichtigen aber das Barock-Rokoko-Gebäude ist auch von außen beeindrucken und die Anlage lädt zu schlendern und träumen ein.

Riga
Kronvalda Park

Estland

Die Anreise nach Tallin und das Finden eines geeigneten Schlafplatzes gestaltete sich erst etwas schwieriger. Der Tallin City Camping entpuppte sich als ein windiger Parkplatz vor einer Messehalle, weswegen wir uns für den etwas außerhalb gelegenen aber familiären Kivi Talu in Jüri entschieden. Die Busreise in die Stadt war zwar ein kleines Abenteuer, denn die Shuttlebusse scheinen nicht viel von Fahrplänen zu halten und fahren nach dem Motto „Time is money“, wie uns der Fahrer nervös mitteilte.
Tallin selbst ist eine hübsche kleine Stadt mit einer märchenhaften mittelalterlichen Altstadt. Diese liegt auf einem Hügel und ist von einer Stadtmauer umgeben. Von dort oben hat man einen tollen Ausblick über die Dächer der Stadt. Wie sich leider herausstellte war der Sonntag nicht der beste Tag für unsere Sightseeing-Tour, es war wenig los und viele Geschäfte und Lokale hatten geschlossen.

Tallin
Blick über Tallin

Auf Grund des Wetterumschwungs und der schwindenden Zeit mussten wir leider auf weitere Aktivitäten im nördlichsten Land des Baltikums verzichten, wie einen der zahlreichen Nationalparks oder den ewig scheinenden Sandstrand Pärnus – damit habe ich aber auf jeden Fall ein Grund, noch einmal diese noch unbekannte Ecke Nord-Osteuropas zu besuchen.

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